La Palma ist eine der kleineren Kanarische Inseln. Sie liegt im äußersten Nordwesten des Kanarischen Archipels, ist 450 Kilometer vom afrikanischen Kontinent und 1500 Kilometer vom Spanischen Festland entfernt. Sie misst eben so 49 Kilometer in der Länge und 28 Kilometer in der maximalen Breite. La Palma ist steil, in Bezug auf ihre Größe sogar die steilste Insel der Welt. Ein Gebirgsrücken von 2000 Metern Höhe zieht sich von Nord nach Süd über die Insel. Dabei ist die Insel eigentlich nur die Spitze eines weitaus größeren Gebirges, dass sich unter der Meeresoberfläche noch 4000 Meter in die Tiefe erstreckt. Nur 5% dieses Gebirges sind sichtbar und bilden die Insel.
La Palma – steil und grün
Der Höchste Punkt von La Palma ist der Roque de las Muchachos, der sich mit seinen 2425 Metern noch extra zu recken scheint – perfekte Gegebenheiten für das Observatorium, das lange Zeit als eine der größten Sternwarten der Welt galt. Das Gebirge wird nach Norden hin stetig höher und ist zudem von Vulkanen durchzogen. Wo Vulkane sind, da sind auch Krater: Mitten in der Nordhälfte der Insel klafft ein riesiges Loch. Der Sekenkkrater Caldera de Taburiente misst knapp 10 Kilometer im Durchmesser und ist 1500 Meter tief. Mehrere Vulkane der Insel gelten weiterhin als aktiv: 1949 brach der Vulkan San Juan aus, 1971 kam es zu einem Ausbruch des südlich gelegenen Teneguia. Der Höhenzug schafft unzugängliche Bergregionen, die durch ursprüngliche Natur gekennzeichnet sind. So gilt La Palma als grüne Insel, als La Isla Verde. Und auch ihren zweiten Beinahmen La Isla Bonita hat sich die Insel redlich verdient.

Natur auf La Palma
Während in den nördlichen Bergen von La Palma die Kanarenkiefer weit verbreitet ist, können sich in der Gegend von Los Tilos noch Lorbeerwälder halten. Dazwischen wachsen Gagelbäume, Farne und wild wucherndes Efeu, dass jegliche Flora zu einem undurchdringlichen Dschungel verknotet. Etwa 40% der Fläche von La Palma ist von Wald bedeckt.
Oberhalb von 200 Metern kann vielerorts der Drachenbaum angetroffen werden – er ist auf anderen Inseln nur noch in Botanischen Gärten bestaunt werden. Seine Form ist charakteristisch: Ein hoher Stamm trägt eine gabelartig verzweigte Krone, deren Äste jeweils durch ein Büschel dolchförmiger Blätter geziert werden. Seinen Namen hat der Baum von seinem Harz, das sich in Kontakt mit Luft rot verfärbt und daher als Drachenblut bezeichnet wird. In der traditionellen Medizin werden dem Saft heilende Kräfte zugeschrieben. Der Drachenbaum hat keine Jahresringe – sein Alter kann lediglich anhand der Anzahl der Veräseltungen bestimmt werden, die erst mit der ersten Blüte nach etwa 10 Jahren auftreten.
Wo immer die Geographie es erlaubt, sind Kulturpflanzen ausgebracht worden. Die flachen Gegenden der Insel werden somit von Bananenpflanzungen, Wein, Obstbäumen und Gemüsefeldern dominiert, die teils auf terrassenartig angelegten Felder wachsen.
Tourismus auf La Palma
Seine urtümliche Vegetation und die nicht eben spektakulären Strände machen La Palma nicht zum ersten Ziel des durchschnittlichen Touristen. Das verhindert bis heute den Massentourismus. Die Insel wird eher von individuellen Touristen angesteuert, die ein Naturerlebnis und Ruhe suchen. Und davon hält die kleine Insel sehr viel bereit. Viele Besucher kommen zum Wandern oder Mountainbiken in die erhabene Berglandschaft dieser Insel.
Die Insel hat 15.000 Betten für Besucher – Tendenz steigend. Aktuell bleibt die Insel dabei aber dem Individualtourismus treu. Mit Hilfe von EU-Geldern werden derzeit alte Fincas und Höfe im Hinterland in Stand gesetzt und als Unterkünfte für Besucher hergerichtet. Davon profitiert die Landbevölkerung und die alte Bausubstanz kann weiter genutzt werden. Hoffen wir, dass dieses Konzept zum Erfolg führt und die Insel von Hotelburgen verschont bleibt!

Hafen für die neue Welt
Nicht nur die Vulkane machten die Insel in der Neuzeit weithin bekannt. Der Hafen der Inselhauptstadt Santa Cruz de la Palma galt bis in das 17. Jahrhundert hinein als einer der wichtigsten Häfen im spanischen Weltreich. Dank seiner Lage vor der Westafrikanischen Küste war der Hafen ein hervorragender Ausgangspunkt für die Überquerung des Atlantiks in die neue Welt. Die Entdeckung dieser Welt war es denn auch, die das Kanarische Archipel und La Palma plötzlich in den Mittelpunkt des strategischen Interesses rückte. Reichtum und Macht konzentrierten sich daher auf dem kleinen Inselchen. Bis in die Neuzeit hinein konnte die Insel einen Teil dieses Glanzes bewahren – elektrische Straßenbeleuchtung gab es hier kurz nach Berlin, Paris und London, als das restliche Europa noch mit Gas leuchtete.
Heutige Eroberer versuchen, die Insel mit dem Auto oder dem Fahrrad zu umrunden. Eine Tour rund um die Insel führt über etwa 250 Kilometer Wegstrecke, wobei der Tacho die 80 km/h selten übersteigt. Für eine entsprechende Tour muss daher ein ganzer Tag eingeplant werden. Noch besser: Eine Rundreise um die Insel mit verschiedenen Etappen lässt Raum und Zeit, um die schönsten Sehenswürdigkeiten ausreichend zu würdigen.
Der Himmel über La Palma
Das nächtliche Licht sorgt allerdings für Probleme für das Observatorium – die Wissenschaftler sind auf dunkle Nächste angewiesen. So wurde denn auch auf La Palma im Jahre 1988 das Gesetz gegen Lichtverschmutzung eingeführt: Die Laternen dürfen nur noch punktuell die Straßen und Wege ausleuchten und haben zudem eine rötliche Lichtfarbe.

La Palma in der Krise
Knapp 85.000 Menschen ist die Insel eine Heimat. Die Bedingungen sind indes nicht einfach: Massentourismus wie auf den größeren Kanarischen Inseln Teneriffa, Gran Canaria und Fuerteventura existiert kaum. Einen geregelten Job zu finden ist nicht einfach. Eine steigende Arbeitslosenquote von heute 35% ist die Folge. Viele Haushalte sind überschuldet, denn in vielen Geschäften wird auf Kredit gekauft. In der Wirtschaftskrise der 2010er Jahre machte ein großer Teil der südamerikanischen Bevölkerungsgruppe sich wieder nach Kuba und Venezuela auf. Trotz der vielfach ärmlichen Verhältnisse ist die Kriminalitätsrate sehr niedrig und beschränkt sich eine Diebstähle.
Ein weiteres Problem der Insel ist die Knappheit des Trinkwassers. Das mag paradox wirken, liegt die Insel doch mitten im Atlantischen Ozean und hat auch noch die höchste Niederschlagsmenge aller Kanarischen Inseln. Doch die Nutzung des Wassers ist nicht effektiv: Viel Regenwasser fließt ungenutzt in das Meer, die Bananenplantagen verbrauchen Unmengen des kostbaren Nasses. Und die Brunnen der Insel sind in privatem Besitz, also an gekauftes oder gepachtetes Land gebunden. In der letzten Jahren hat der Wasserverbrauch immer mehr zugenommen, die Niederschlagsmenge hingegen hat abgenommen, in der Folge ist der Grundwasserspiegel deutlich gesunken. Fast die Hälfte der ehemals 150 Brunnen der Insel liegen heute trocken. Allerorts werden Sie daher auf Schilder treffen, die den sparsamen Verbrauch von Wasser anmahnen.
Die beiden größten Städte der Insel La Palma sind das bereits erwähnte Santa Cruz de la Palma und Los Llanos de Aridane.
La Palma – Der Ursprung
La Palma ist eine der jüngsten Inseln des Kanarischen Archipels. Die Insel entstand vor 1,8 Millionen Jahren durch Aktivitäten des lokalen Hotspots – einer stationären Magmakammer, die entlang der Bruchkante der sich bewegenden afrikanischen Kontinentalplatte immer wieder für vulkanische Aktivität sorgt. Dabei driften die Inseln kontinuierlich mit einer Geschwindigkeit von 2 bis 3 cm pro Jahr gen Nordosten.



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